Home » Chemie Lernmaterial » Urheberrecht in der Schule beachten & einhalten

Urheberrecht in der Schule beachten & einhalten

  • by Anatoli Bauer
Urheberrecht in der Schule beachten

Bereits seit 1965 spricht das Urheberrechtsgesetz (UrhG) dem Schöpfer eines Werkes zunächst die alleinige Verfügungsgewalt über sein Erzeugnis zu. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Eine von ihnen: Schulen, die aufgrund ihres Bildungsauftrags besondere Privilegien genießen. Dennoch müssen auch sie sich bei der Vervielfältigung von Text und Bild an Vorschriften halten – umso mehr im Zeitalter der Digitalisierung.

Was dürfen Lehrer?

Schulunterricht ohne Rückgriff auf wissenschaftliche und künstlerische Werke ist undenkbar. Eine generelle Freigabe zur Nutzung fremder Arbeiten gibt es dennoch nicht – vielmehr gelten in Hinblick auf das Urheberrecht besondere Regeln.




Definition Urheberrecht

Grundsätzlich werden allen natürlichen Personen Urheberrechte an ihren jeweiligen schöpferischen Werken zugesprochen. Wer als Außenstehender dieses „geistige Eigentum“ nutzen, vervielfältigen oder Dritten zugänglich machen möchte, muss daher im Normalfall zuvor die Zustimmung des Urhebers einholen. Das Gesetz unterscheidet zwischen folgenden Werken:

  • einwilligungs- und vergütungsfreien Werken
  • einwilligungs-, jedoch vergütungspflichtigen Werken
  • einwilligungs- sowie vergütungspflichtigen Werken

Schranken des Urheberrechts

Zugunsten der Allgemeinheit können die Rechte der Urheber beschränkt werden. Hierzu zählt gemäß § 60a UrhG die Nutzung ihrer veröffentlichten Werke im Schulunterricht. Die privilegierenden Vorschriften wurden zur Erfüllung des Bildungs- und Forschungsauftrag im Unterricht geschaffen und sind detailliert im Gesamtvertrag geregelt:

  • für Vervielfältigungen an Schulen, 2018
  • zur Einräumung und Vergütung von Ansprüchen aus öffentlicher Zugänglichmachung, 2019

Hinweis: Unter Schulen fallen sämtliche öffentliche und private Schulen inklusive berufsbildender Schulzweige.




Unterricht lebt von fremden Werken

Schulunterricht in Deutschland wird zum Großteil im Klassenzimmer abgehalten. Dabei gelten mediale Inhalte zur Veranschaulichung bestimmter Sachverhalte als fester Bestandteil des jeweiligen Lehrplans. Doch mittlerweile erschöpft sich die Nutzung urheberrechtlich geschützte Werke nicht mehr in einigen fotokopierten Arbeitsblättern – durch die zunehmende Digitalisierung können Dateien und Daten wie folgt genutzt werden:

  • Speicherung auf Schulcomputern, CDs oder USB-Sticks
  • Weitergabe über Lernplattformen, Intranet oder Schulwebseiten
  • Verwendung bei Tauschbörsen oder Referaten

Hinweis: Schulrecht ist Landesrecht. Die einzelnen Bundesländer vergüten unterschiedlichen Verwertungsgesellschaften die Erlaubnis zur Nutzung geschützter Werke.

Kopien für die Klasse

Ob analog oder digital, ob aus Schulbüchern, Arbeitsheften oder Romanen: Auszüge aus Printmedien dürfen für Unterrichts- oder Prüfungszwecke fotokopiert werden – unter  folgenden Bedingungen:

  • Anzahl und Verbreitung der Kopien werden durch die Größe des Klassenverbandes
  • Kopien auf 15 Prozent oder 20 Seiten des Gesamtwerks pro Schuljahr und Klasse

beschränkt. Ausnahme: Werke von bis zu sechs Seiten Gesamtumfang wie Zeitungsartikel dürfen komplett vervielfältigt werden. Übersteigt der Bedarf an Fotokopien die vorgegebene Grenzen, kann sich die betroffene Schule ergänzende Kopierlizenzen vom Verlag erteilen lassen. Beispiel: Nutzungsrecht für Schulbücher.

Hinweis: Manuell abgetippte Texte unterliegen den identischen Begrenzungen wie Fotokopien.

Sämtliche Kopien müssen Quellenangaben wie Namen des Verfassers, Titel, Verlag, Erscheinungsjahr und/oder Seitenangaben enthalten.

Rechtliche Grauzone: Filme

Aufgrund fehlender Rechtsprechung streiten Experten, inwieweit urheberrechtlich geschützte Filme in Schulen gezeigt werden dürfen. Erlaubt sind Vorführungen in privatem Rahmen vor miteinander verbundenen Personen wie Familie oder Freunden – Klassenverbände sind nicht explizit genannt. Auf der sicheren Seite sind Lehrer mit der Inanspruchnahme von Filmverleihen für Schulen.

Online-Lehrmaterial

Auch beim Homeschooling finden die Anwendungsregeln der Vervielfältigung aus dem Präsenzunterricht Anwendung. Statt komplette Schulbücher einzuscannen, müssen Lehrer bei sämtlichen digitalisierten Unterrichtsmaterialien Folgendes beachten:

  • Beachtung der 15-Prozent-Regel und der erforderlichen Quellenangaben
  • Sicherstellung des Schutzes vor fremdem Zugriff und die ausschließliche Verwendung für den Unterricht

Hinweis: Der Gesamtvertrag 2018 gilt ausschließlich für Printwerke. Die GEMA als Verwalterin der Nutzungsrechte von Musikwerken unterhält mit deutschen Schulen keinen Vertrag. Auch hier dürfen daher maximal 15 Prozent eines musikalischen Werkes oder einzelne Lieder ins Intranet eingestellt werden.



Rechte und Pflichten von Schülern

Was für Lehrer gilt, gilt auch für Schüler. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofes aus dem Jahr 2018 ist eine Veröffentlichung von Bildern für Referate oder Textauszügen für Schülerzeitungen ausschließlich mit der Einwilligung des Urhebers sowie einer korrekten Quellenangabe gestattet. Bei Bilddatenbanken finden sich die einschlägigen Lizenzbedingungen meist direkt unter dem Foto. In der Regel müssen hinter einem Copyright-Zeichen Angaben zum Künstlernamen und Bildtitel sowie Bearbeitungshinweise erfolgen. Sicher geht, wer die Seite mit dem Werkauszug nicht hoch lädt, sondern verlinkt.

Vom Lehrer zur Verfügung gestellte Unterrichtsmaterialien dürfen nicht außerhalb des Klassenverbandes verbreitet werden – nicht einmal an andere Schulkinder. Strikt verboten sind zudem Anfertigungen von Screenshots oder Mitschnitten während schulischer Videoeinheiten. Weitere Informationen sind unter https://www.urheberrecht.de/schule/ nachzulesen.

Fotos von Kindern

Das „Recht am Bild“ nach §22 Kunsturhebergesetz gilt auch für Ausflüge, Klassenfahrten und Co.: Ohne Einwilligung der Schüler bzw. bis zu einem Alter von 16 Jahren durch einen Erziehungsberechtigten dürfen Fotos von Kindern grundsätzlich nicht veröffentlicht oder vervielfältigt werden.

Sonderfälle: Die Kinder sind wie folgt abgebildet:

  • als „Beiwerk“ des Hauptmotivs
  • in einer Menschenmenge wie bei Versammlungen

Ausnahme vom Sonderfall: In Bayern und Baden-Württemberg müssen grundsätzlich Einverständniserklärungen erteilt werden.

Kunst von Kindern

Auch in der Schule gefertigte Werke unterliegen dem Urheberrecht der Jugendlichen: Weder Bilder aus dem Kunstunterricht noch Deutschaufsätze dürfen ohne Zustimmung und Namensangabe auf Schulwebseiten oder in Schülerzeitungen veröffentlicht werden.

Konsequenzen aus Urheberrechtsverletzungen an Schulen

Fahrlässige Urheberrechtsverletzungen durch angestellte Lehrer gelten als Amtspflichtverletzung und ziehen in der Regel eine Abmahnung nach sich. Verbeamteten Lehrern droht ein Disziplinarverfahren. Die Kosten einer erfolgreichen Schadensersatzklage werden durch das jeweilige Bundesland übernommen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.