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Warum ist Urin gelb? – Aufklärung

  • by Anatoli Bauer

Informationen rund um die Zusammensetzung von menschlichem Urin

Menschlicher Urin enthält Wasser, Harnstoff, Hormone, Salze und Farbstoffe. Verantwortlich für die gelbe Farbgebung des menschlichen Urins ist die im Harn gelöste Substanz Bilirubin. In ihrer Funktion als Gallenfarbstoff ist Bilirubin ein Abbau- bzw. Stoffwechselproduktes des Blutfarbstoffes. Harn ist als Filterprodukt der Nieren zu verstehen, das nach dem Passieren des Nierenbeckens in Harnleiter, Harnblase und Harnröhre gelangt, von wo aus die Ausscheidung des Urins erfolgt.

Der Primärharn, der wertvolle Stoffe in Form von Elektrolyten, Nährstoffen, Traubenzucker und Aminosäuren führt, geht als Endprodukt aus der Filterung des Blutplasmas hervor. Dieser Filterprozess findet in den feinen Nierenverästelungen statt. Wertgebende Stoffe wie Aminosäuren und Traubenzucker gelangen zur Verstoffwechselung zurück in den menschlichen Gesamtorganismus. Im Schnitt bildet der menschliche Körper täglich rund 150 Liter Primärharn, woraus durchschnittlich 2 Liter Urin pro Tag entstehen. Die täglich aufgenommene Flüssigkeitsmenge entscheidet generell über die tatsächliche Menge an Harn, die der Organismus in der Praxis ausscheidet.

Etwaige Farb- und Geruchsabweichungen sowie eine eventuelle Schaumbildung des Harns sind kritisch zu hinterfragen

Menschlicher Urin bzw. Harn weist grundsätzlich Unterschiede hinsichtlich seiner spezifischen Farbe auf. Demnach ist er einzelfallabhängig gelb, grün, rotbraun, rot oder schwarz gefärbt. Derartige Diskrepanzen bezüglich der jeweiligen Farbgebung sind in der Regel auf den Verzehr bestimmter Lebensmittel wie etwa rote Beete oder Karotten oder den Konsum spezieller Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel zurückzuführen. Einzelne Antidepressiva wie etwa das Medikament Amitriptylin forcieren beispielsweise eine vorübergehende Grünfärbung des Harns.

Prinzipiell ist die Urinfarbe bzw. eine potentiell verdächtige Farbveränderung als aussagekräftiger Indikator für unterschiedliche Krankheitsbilder zu verstehen. Gleiches gilt für etwaige Geruchsabweichungen des Harns.

Demzufolge weist ein fischiger Geruch auf eine etwaige asymptomatische Chlamydien- Infektion hin, während ein ammonikartiger Duft als potentielles Alarmsignal für bestehende Nierenproblem einzustufen ist. Wer Blut im Urin registriert, sollte umgehend einen Arzt zur umfassenden medizinischen Abklärung der diesbezüglichen Ursachen aufsuchen. Die Harnanalytik, die zuverlässige Urinuntersuchungen begünstigt, gibt wertvolle Hinweise auf etwaige Krankheitsbilder. Blut im Harn gilt etwa als klinisches Merkmal von Blasenkrebs oder Harnröhrenkrebs. Gleichzeitig tritt rötlich verfärbter Urin bzw. Blut im Harn häufig in Verbindung mit Blasenentzündungen, Nierenerkrankungen, Endometriose, Harnsteinen, Harnwegsinfektionen, Verletzungen im Bereich des Harntraktes und Prostataveränderungen in Erscheinung. Arzneimittel der Gattung Blutgerinnungshemmer können ebenfalls für Blut im Harn verantwortlich sein.

Urinanalyse fördert die zielgerichtete Diagnostik unterschiedlicher Krankheitsbilder

Bildet sich unmittelbar nach dem Wasserlassen Schaum auf dem Urin, der vergleichsweise lange besteht, führt der Harn Eiweiße. Eine übermäßig ausgeprägte Eiweißkonzentration im Harn fungiert als Merkmal für eine vorliegende primäre oder sekundäre Nierenerkrankung. In Verbindung mit derartigen Krankheitsbildern sieht der Harn zudem in der Regel trüb aus. Im Einzelfall forcieren Nierensteine, Nierenbeckenentzündungen oder Lymphome schäumenden Urin. Mitunter begünstigen eine besonders proteinreiche Ernährung, die Wechseljahre, eine objektiv zu geringe Flüssigkeitsaufnahme oder die Einnahme von Abführmitteln schäumenden Harn. Harnuntersuchungen ermöglichen eine differenzierte Diagnostik der Proteinurie.

Zeigt der Urin eine erhöhte Oxalatkonzentration, ist dies als Indikator für ein Fortschreiten bzw. den Progress einer chronischen Niereninsuffizienz zu klassifizieren, die an eine anhaltend eingeschränkte Nierenfunktion gebunden ist.

Innovative Verfahren zur Urinanalyse begünstigen die präzise Brustkrebs- Diagnostik

Forscher des Universitätsklinikums Freiburg entwickelten im Kalenderjahr 2015 ein patentiertes Verfahren, dass die BrustkrebsDiagnostik mittels Urinprobe ermöglicht. Entsprechend dieser Methode lässt sich an einer Urinprobe ein etwaiger veränderter Zellstoffwechsel erkennen, der in entarteten Krebszellen in der Regel Fehlregulationen aufweist. Das Vorliegen eines im Urin zirkulierenden veränderten MikroRNAProfils, das sich via Urinprobe nachweisen lässt, zeigt maßgeblich einen derartig veränderten Zellstoffwechsel an, wie er im Falle von Brustkrebs existiert.

Die im Urin gelösten krankhaft veränderten Mikro- RNA- Abschnitte fungieren deshalb im Bereich der Brustkrebs- Diagnostik als aussagekräftige Biomarker. Mit einer durchschnittlichen Diagnose- Sicherheit in Höhe von 91 % ist die Methode an eine objektiv präzise Aussagekraft gekoppelt. Unterstützt durch das patentierte Verfahren lassen sich demzufolge etwaige Mammakarzinome mit Hilfe einer Harnuntersuchung zuverlässig aufspüren.

Roter Urin bedeutet nicht zwangsläufig, dass der Harn Blut führt

Roter Urin ist prinzipiell nicht zwangsläufig mit Blut im Harn gleichzusetzen.

Beispielsweise forcieren spezielle Allergien, Autoimmunerkrankungen, etwaige Unverträglichkeitsreaktionen in Kombination mit Bluttransfusionen und erbliche Formen der Blutarmut eine übermäßig hohe Konzentration an dem rötlich gefärbten Blutfarbstoff Hämoglobin im Harn. Ebenso trägt extreme körperliche Anstrengung dazu bei, dass große Mengen des Blutfarbstoffs im Harn zirkulieren. In diesem Kontext färbt sich der Urin rötlich- braun. Eine derartige Reaktion ist häufig bei Marathonläufern erkennbar. Ebenso sorgen Muskelschäden und spezielle erbliche Enzymerkrankungen für eine potentielle Rotfärbung des Harns.

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