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Warum sind Viren keine Lebewesen? – Aufklärung

Warum sind Viren keine Lebewesen

In der Regel können Menschen schnell ein Urteil darüber treffen, was in ihrer Umgebung lebendig ist und was nicht, was zu den Lebewesen zählt und was zur unbelebten Natur. Diese Einordnung fällt zunächst ganz intuitiv. Zu erklären, was Leben ausmacht, was den meisten Lebewesen gemein ist, fällt vielen jedoch schon schwerer.

Was ist Leben?

In der Regel können Menschen schnell ein Urteil darüber treffen, was in ihrer Umgebung lebendig ist und was nicht, was zu den Lebewesen zählt und was zur unbelebten Natur. Diese Einordnung fällt zunächst ganz intuitiv. Zu erklären, was Leben ausmacht, was den meisten Lebewesen gemein ist, fällt vielen jedoch schon schwerer.

Was haben die meisten Lebewesen gemeinsam?

  • Lebewesen bestehen aus Zellen.
  • Viele Lebewesen bestehen aus großen Molekülen, wie Kohlenhydraten, Fetten (Lipiden), Eiweißen (Proteinen) und Nukleinsäuren.
  • Lebewesen können aus den Molekülen, die sie in ihrer Umwelt vorfinden, neue Moleküle herstellen, Biomoleküle.
  • Lebewesen verrichten Arbeit. Die Energie, die sie dafür brauchen, entnehmen sie ihrer Umwelt.
  • Lebewesen besitzen Erbinformation. Diese ist in Form eines Moleküls gespeichert, der Desoxyribonukleinsäure oder kurz DNA.
  • Die Informationen, die Lebewesen in ihrer DNA tragen, informiert sie darüber, wie sie ihre Lebensfunktionen aus eigener Kraft aufrechterhalten, wie sie sich entwickeln und fortpflanzen können.
  • In der DNA von Lebewesen ist ein Code enthalten, der ihnen genau vorgibt, wie sie aus Bausteinen lebenswichtige Proteine (Eiweiße) herstellen können. Dieser Code ist universell.
  • Lebewesen sind dazu in der Lage, ihr Körperinneres zu regulieren, ihr Milieu konstant zu halten.
  • Lebewesen kommen in Populationen vor, bilden Arten aus, die an bestimmten Orten der Erde vorkommen und sich im Laufe der Zeit verändern (Evolution).

Zusammenfassung:

Lebewesen bestehen aus Molekülen und Zellen und tragen einen universellen genetischen Code in sich. Sie betreiben eigenständig Stoffwechsel, tauschen sich mit der Umgebung aus und halten ihr inneres Milieu aufrecht. Sie können sich ernähren und wachsen. Für ihren Stoffwechsel entziehen sie ihrer Umgebung Energie. Lebewesen können sich eigenständig fortpflanzen.

Nicht allen Lebewesen sind alle oben aufgeführten Eigenschaften gleichzeitig gemeinsam.
Manche Formen von Leben befinden sich beispielsweise phasenweise in einem Stadium, in dem Lebensvorgänge für einige Zeit ruhen. So können etwa Samen bestimmter Pflanzen trockener Regionen jahrelang in einer Art Starre ausharren. Sie entziehen ihrer Umgebung in dieser Zeit keine Energie, tauschen sich nicht mit ihr aus und regulieren keine inneren Vorgänge. Sind die Umgebungsverhältnisse aber günstig genug, erwachen ihre „Lebensgeister“ und sie zeigen ad hoc Kennzeichen von Leben, die ihnen innewohnen.

Obwohl die meisten Lebewesen aus vielen Zellen bestehen, trifft dies nicht auf alle zu. Manche bestehen nur aus einer einzigen Zelle, etwa Prokaryoten (Bakterien), einzellige Archaen oder einzellige Tiere (Protisten).

Viren

Viren sind im Gegenteil zu den hochkomplexen Lebewesen relativ einfach aufgebaut.

Sie bestehen aus einem oder mehreren Molekülen, die Erbgut enthalten. Das kann je nach Virentyp, DNA (Desoxyribonukleinsäure) oder RNA (Ribonukleinsäure) sein. Diese Erbinformation gibt an, wie das jeweilige Virus zu vermehren ist. Die Erbinformation ist umhüllt von einer Proteinhülle (Eiweißhülle).

Viren bestehen demnach nicht aus einer oder mehrerer Zellen.
Sie haben keinen eigenen Stoffwechsel. Sie können sich nicht ernähren, wandeln keine Stoffe in ihrem Inneren um oder tauschen Moleküle oder Stoffe mit ihrer Umgebung aus. Sie haben keine eigene Energiegewinnung und können auch keine Stoffe, etwa Proteine, aufbauen.

Obwohl sie die Information darüber in sich tragen, wie sie vermehrt werden können, können sie diese Information aus eigener Kraft nicht umsetzen. Sie können sich nicht selbstständig fortpflanzen. Für ihre Vermehrung benötigen Viren die Zellen von Lebewesen, ihre sogenannten Wirtszellen.

In die Körperzelle eines Lebewesens eingedrungen, veranlasst ein Virus diese Zelle, die Bausteine für seine Vermehrung herzustellen und diese nach Vorgabe zusammenzusetzen. Die notwendigen Informationen dazu erhält die Wirtszelle über die DNA oder RNA des Virus. Die Wirtszelle, das kann zum Beispiel eine Leberzelle oder Muskelzelle sein, stirbt daraufhin. Neu entstandenen Viren werden freigesetzt und können weitere Körperzellen „infizieren“.

Viren sind hinsichtlich ihrer Vermehrung und Erhaltung immer von der Existenz anderer Lebewesen abhängig. Sie sind nicht in der Lage, sich selbstständig zu vermehren und physiologische Vorgänge aufrecht zu erhalten. Einige Wissenschaftler betrachten Viren als eigenständig gewordene Nukleinsäuren. Weil Viren aus Wirtszellen und damit lebenden Zellen stammen, über Erbmaterial verfügen und evolvieren, sich also über die Zeit verändern, werden sie der lebendigen Welt zugeordnet, sind aber keine Lebewesen.

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